Wie Digitalisierung zu einer grünen Logistik beitragen kann


Angesichts der anhaltenden Coronakrise ist bei Zukunftsprognosen Vorsicht angesagt. Trotzdem sind sich Beobachter weitgehend einig: Die Bedeutung der Logistik wird in den nächsten Jahren steigen. Schließlich wächst der E-Commerce-Markt rasant und auch die globale Verflechtung schreitet weiter voran. Gleichzeitig machen es Klimawandel und Artensterben drängender denn je, sparsam mit Ressourcen umzugehen und den CO2-Verbrauch zu drosseln. Die Digitalisierung von Logistikprozessen und eine Vernetzung im Sinne von Logistik 4.0 können Unternehmen dabei unterstützen, für eine nachhaltige Logistik zu sorgen. 


Beispiele für eine nachhaltige Logistik durch Digitalisierung
 
Potenzial, Prozesse durch Digitalisierung nachhaltiger zu gestalten, besteht auf mehreren Ebenen: 

  • Optimiertes Bestandsmanagement: Eine intelligente Lagerverwaltungssoftware sorgt für eine bessere Auslastung, reduziert Leerstände und verringert innerbetriebliche Leerfahrten.

  • Kostenersparnis durch einen geringeren Ressourcenverbrauch

  • Automatisierungen: Selbstfahrende Roboter und moderne Systeme unterstützen nicht nur reibungslose Arbeitsabläufe. Sie beugen auch Schäden vor, die bei manuellen Tätigkeiten oft entstehen.

  • Kühl- und Heiztechnik: Digitale Kühl- und Heiztechnik spart Strom – ein Faktor, der in Branchen wie der Lebensmittelindustrie besonders zum Tragen kommt.

  • Verpackung und Recycling: Digitalisierung kann auch dazu beitragen, Verpackungsmaterial zu sparen und Recycling voranzutreiben – zum Beispiel durch Trackingmethoden und innovative Mietmodelle.

  • Besseres Flottenmanagement: Mithilfe moderner Programme für das Flottenmanagement und Vernetzung können Unternehmen Routen optimieren, Leerfahrten verhindern und Treibstoff einsparen – ein wichtiger Beitrag zu einer nachhaltigen Logistik.

Nicht die spektakulärsten Zutaten von Logistik 4.0 bringen den größten Nutzen. Oft erweisen sich kleine Dinge als wichtiger. Zum Beispiel eine automatische Texterkennung beim Scannen von Belegen – oder eben eine Software, die hilft, Kilometer einzusparen.

– Professor Andreas Kükgauer


Ergänzen lassen sich solche Maßnahmen für eine grüne Logistik zum Beispiel durch verbrauchsarme Elektro-Flurförderfahrzeuge, stromsparende LED-Beleuchtung und das Erzeugen von Strom mit Photovoltaik-Anlagen. Optimierte Verpackungskonzepte schonen die Umwelt. Außerdem kommen sie bei Kunden gut an, was wiederum das Image eines Unternehmens entscheidend beeinflussen kann. 

Nicht zuletzt ist Energieeinsparung ein wesentlicher Aspekt bei der Planung und dem Bau von Logistikgebäuden. Wer hier über gesetzliche Anforderungen hinausgeht, sorgt nicht nur für mehr Nachhaltigkeit in der Logistik. Er profitiert auch oft von Förderungen.

Vernetzung sticht KI

Für Andreas Rükgauer bergen vor allem die Vernetzung von Systemen und der Einsatz moderner Software für das Flottenmanagement ein großes Potenzial für Nachhaltigkeit in der Logistik. Er ist Professor für Produktion und Industriebetriebslehre an der FHWS Würzburg sowie Inhaber der Unternehmensberatung intent.consult. „Speziell in der Speditionslogistik wird viel gefahren. Wenn es gelingt, Leerfahrten zu reduzieren und Routen besser zu verbinden, ermöglicht das deutliche Einsparungen.“

Auch bessere Datenflüsse zwischen Unternehmen können dazu beitragen, Ressourcen einzusparen. Schließlich werden einige Kurierfahrten überflüssig, wenn sich zeitliche Abläufe verschieben und der Empfänger das sofort in seine Planung mit einbeziehen kann. Der Haken daran: Unternehmen schrecken verständlicherweise davor zurück, direkten Absatzpartnern Zugriff auf ihre Daten zu geben. Ein schlagendes Argument für unabhängige dritte Systeme.

Das Potenzial selbstlernender Logarithmen innerhalb der Logistik – ein heftig diskutiertes Thema in Zusammenhang mit Logistik 4.0 und grüner Logistik – hält Andreas Rükgauer dagegen für überschätzt. Schließlich bräuchten diese große Datenmengen, um ihr Versprechen einzulösen. Für kein Unternehmen aber sei es sinnvoll, Systeme durch Irrfahrten anzulernen.

Lean Management hilft, Verschwendung zu reduzieren

Letztendlich dreht sich beim Thema Nachhaltigkeit und Logistik viel darum, Überflüssiges einzusparen und Prozesse möglichst schlank zu gestalten. Das ist eine Gemeinsamkeit mit einem Konzept, welches das Wort „schlank“ im Namen trägt: das sogenannte Lean Management. 

Lean Logistik zielt darauf ab, den Fluss von Produkten zu erhöhen, Material einzusparen und Kosten zu minimieren – zum Beispiel durch das Eliminieren von Lagerüberbeständen, die Automatisierung von Prozessen und das Kürzen von Transportwegen.

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Im Fokus dieses Konzepts, das Toyota seit vielen Jahrzehnten erfolgreich praktiziert, steht, Kosten zu senken, Kunden zu binden und die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Nachhaltigkeit ist ein Nebenprodukt, das in der Lean Logistik aber automatisch entsteht. 

Denn, so Andreas Rükgauer: „Durch Lean Management werden immer natürliche Ressourcen geschont.“

Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit gehen Hand in Hand
Digitalisierung und Nachhaltigkeit erfordern Investitionen, aber diese Investitionen lohnen sich langfristig auch für mittelständische Unternehmen. Denn so wie der Stellenwert von Logistik steigt, wachsen die Anforderungen an Effizienz und Nachhaltigkeit. Eine Digitalisierung der Logistik kann helfen, beides in Einklang zu bringen. Auf diese Art unterstützt sie Unternehmen auch dabei, die Erwartungen von Geschäftspartnern und Kunden zu erfüllen. 

Dabei bringen nicht immer die spektakulärsten Zutaten von Logistik 4.0 den größten Nutzen. Vielmehr erweisen sich laut Andreas Rükgauer oft kleine Dinge als wichtiger. Zum Beispiel eine automatische Texterkennung beim Scannen von Belegen – oder eben eine Software, die hilft, Kilometer einzusparen.